Endurance Expedition – Sir Ernest Shackleton

Datum: 18. Mai 2020

Auf den Spuren des Abenteurers Sir Ernest Shackleton

Expeditionen und Abenteuer – dafür steht Wandermut. Und genau diesen Mut hat auch Sir Ernest Shackleton gezeigt, als er sich für eine gefährliche Antarktistour im Jahre 1914 die passende Crew suchte. Um an dieser außergewöhnlichen Expedition teilnehmen zu können, musste man sich bewerben. Eine weitere Parallele zu Wandermut. Was dann geschah, ist legendär. Wandermut erzählt die Geschichte der Endurance Expedition des Sir Ernest Shackleton.

Die Vorgeschichte

Sir Ernest Shackleton hatte eine Mission. Er wollte endlich selbst zur Legende werden, nachdem er dem Norweger Roald Amundsen 1911 den Titel „Erster Mensch am Südpol“ überlassen musste und seit dieser Zeit auch im Schatten des Briten Robert Falcon Scott lebte, der bei dem Versuch, als erster Mensch den Südpol zu betreten, zwar starb, aber dennoch zur Legende wurde. Und so entwickelte er den Wunsch, wenigstens der Erste zu sein, der die eisige Antarktis durchquerte. Ein Unterfangen, das allein unmöglich zu realisieren war. Shackleton brauchte starke, mutige Begleiter.

Und so kam es zu der Zeitungsannonce im Jahr 1914. Sie versprach eine gefährliche Reise, die Anerkennung und Ehre bringe, vorausgesetzt, man kehre wohlbehalten zurück. Shackleton warb zudem mit bitterer Kälte, kompletter Dunkelheit über viele Monate und ständiger Gefahr. Da fiel die Anpreisung des kleinen Gehalts kaum noch ins Gewicht, zumal die Anzeige deutlich machte, dass eine sichere Heimkehr äußerst zweifelhaft sei.

Würde sich irgendjemand auf so eine Annonce bewerben? Oh ja, es waren weit mehr als 5.000 Männer, die Lust auf etwas Neues und Authentisches hatten. Menschen, die dahin gehen wollten, wo sonst niemand hingeht. Die entlegene und unerschlossene Gebiete entdecken wollten. Männer, die nach Ehre und Anerkennung dürsteten und denen durchaus klar war, dass sie dafür einige Unannehmlichkeiten, ja sogar Gefahren, auf sich nehmen mussten.

Die Endurance Expedition beginnt …

Am 8. August 1914 verlässt die Endurance (zu deutsch: Ausdauer) Plymouth in England, kurz nach Beginn des 1. Weltkriegs also. Dabei hatte Shackleton überhaupt nicht vor, dem Krieg zu entfliehen. Im Gegenteil, der Abenteurer hatte sein Schiff mitsamt Besatzung sofort der Kriegsmarine angeboten, doch König Georg V. hatte anderes mit ihm vor. Er übergab Shackleton persönlich den Union Jack und bestand darauf, dass Shackleton zu seiner Expedition aufbricht. 56 Männer entgehen so den Kriegswirren und starten stattdessen in ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht.

Die Endurance stoppt noch einmal in Buenos Aires, um den Fotografen Frank Hurley an Bord zu nehmen. Außerdem nahmen sie ein weiteres Crewmitglied auf, William Bakewell, und – wie sich erst später herausstellte – einen blinden Passagier namens Perce Blackborow. Gleichzeitig verließen einige Männer das Schiff. Es folgte ein Aufenthalt in Südgeorgien, der einen Monat andauerte, bevor die Endurance am 5. Dezember endgültig zu ihrer Expedition aufbrach.

Der Plan …

Shackleton wollte die Antarktis über die Weddell-See anlanden. Von dort aus sollte die Expedition zu Fuß starten. Zugleich sollte das zweite an der Expedition beteiligte Schiff, die Aurora, die gegenüberliegende Seite anlanden. Die zweite Gruppe hatte den Auftrag, der Endurance-Gruppe entgegenzugehen und dabei wichtige Versorgungsdepots entlang der Marschroute anzulegen. Doch Pläne haben oft die unangenehme Eigenschaft sich in Rauch aufzulösen. Und auch Shackleton hat wohl nicht damit gerechnet, dass sich die Natur der Antarktis-Eroberung in den Weg stellen würde. Und doch geschah genau das. Die Endurance wurde auf den letzten Metern in der Weddell-See eingeschlossen. Es ist Mitte Januar und das Packeis längst auf dem Weg.

Es folgen Monate der Untätigkeit, die Besatzung hofft auf eine Lücke, durch die das Schiff seine Fahrt endlich fortsetzen könnte. Doch das bleibt nur ein Traum. Die mutigen Männer wissen dennoch etwas mit ihrer Zeit anzufangen. Sie nutzen die riesige Eisfläche, von der sie umschlossen sind, als Fußballplatz. Sie führen Theaterstücke auf und veranstalten sogar Hunderennen. Die Männer scheinen also richtig ausgewählt, denn sie bleiben unerschrocken angesichts der eisigen Kälte, die sie umgibt. Die Endurance wird in dieser Zeit zum einzigen sicheren Hafen, zum schützenden Heim.

Das Ende der Endurance

Der September 1915 ist angebrochen. So lange schon sind die Männer im Eis gefangen. Die wärmere Jahreszeit bringt heftige Stürme mit sich, die riesige Eisschollen direkt auf die Endurance treiben. Shackleton entschließt sich schweren Herzens dazu, die Endurance aufzugeben. Gemeinsam mit seinen Männern wird ein „Ocean Camp“ direkt auf dem Eis errichtet. Sie können dabei zusehen, wie die Endurance langsam aber sicher zwischen dem tödlichen Eis zerrieben wird.

Mit aus dem Schiff geretteten Vorräten, Werkzeugen und Beibooten wollen die Männer über das Eis gehen, um endlich wieder Land unter den Füßen zu spüren. Die Endurance indes geht unter.

Neues Camp, neues Glück?

Im Oktober 1915 nehmen die Männer ihre neue Expedition in Angriff. Ein Fehler, denn der aufgeweichte Untergrund macht es der Crew unmöglich, das Eis zu Fuß zu überqueren. Sie müssen ein neues Lager errichten, das nun den Namen „Patience Camp“ erhält. Mehr als Geduld zu haben, bleibt den Männern nicht übrig. Weitere drei Monate in eisiger Kälte vergehen. Der Proviant geht zur Neige, sie müssen ihren Speisezettel durch Robben- und Pinguin-Fleisch erweitern.

Am 8. April 1916, mehr als ein Jahr nach Ankunft in der Weddell-See, bricht das Eis unter dem Camp. Ohne die drei Rettungsboote wären die Männer verloren. Jetzt zeigt sich, dass Shackleton gut daran tat, Proviant für etwa 40 Tage vor seinen Männern zu verstecken. In den Booten wird Nahrung gebraucht. Die Crew erreicht endlich Festland, auch wenn es sich dabei nur um ein Stück Felsen, das Elephant Island, handelt. Es ist Festland.

Elephant Island – sicherer Hafen?

Elephant Island erweist sich als nicht optimaler Aufenthaltsort. Nur eine windige Landzunge bietet den Männern Schutz. Sie wissen genau, dass sie sich gerade abseits aller üblichen Routen befinden. Die Lage scheint aussichtslos. Die Versorgung nicht gesichert. Shackleton fasst einen neuen Plan. Neun Tage auf Elephant Island genügen, dann geht Shackleton mit fünf Männern auf eine weitere gefährliche Expedition. Sie wollen Hilfe in Südgeorgien finden.
Nach all den Monaten, die die Crew in der Weddell-See feststeckte, klingt es unglaublich, dass die Männer schon nach 16 Tagen Südgeorgien erreichen. War die Rettung die ganze Zeit so nah? In jedem Fall war dieses Abenteuer zur Rettung der Endurance-Besatzung ein waghalsiges Manöver, das die fünf Männer nur knapp überlebten. Und es gab ein weiteres Problem. Das Beiboot landete an der unbewohnten Seite Südgeorgiens.

Die Rettung

Die Rettungsmannschaft richtet sich zunächst ein Camp ein, da es ihnen schlicht an Kraft fehlt, zur bewohnten Inselseite zu navigieren. Dort erholen sie sich neun Tage, bevor Shackleton mit zwei Männern den Marsch in bewohntes Gebiet antritt. Hohe Berge und riesige Gletscher stellen sich ihnen in den Weg. Doch sie schaffen es. Mit knapp bemessenen Vorräten wollen sie die Mission „in einem Rutsch“ schaffen. Dass sie sich dabei des Öfteren in Lebensgefahr bringen, ist ihnen kaum noch bewusst.

Nachdem sie sich durch einen Wasserfall gearbeitet haben, ist es vollbracht. Die drei Männer erreichen eine Walfangstation. Wie viel Glück die Drei tatsächlich hatten, zeigt sich zwei Stunden nach ihrer Ankunft. Es beginnt ein Schneesturm, den sie garantiert nicht überlebt hätten. Schon einen Tag später retten die Walfänger den Rest der Beiboot-Crew. Die übrige Besatzung, die auf Elephant Island ausharrte, kann erst am 20. August 1916 geborgen werden.

Das Ende der Endurance Expedition

Auch die „Aurora“ geriet in Schwierigkeiten, drei Männer starben. Shackleton kam gerade rechtzeitig, um an der Rettungsmission der Überlebenden teilzunehmen. Er war jedoch nur noch überzähliger Offizier, da ihm das Kommando von verschiedenen Regierungen entzogen wurde.

Und so kam es, dass die geplante Endurance-Expedition scheiterte. Nur die sogenannte Ross Sea Party hatte ihre Mission plangemäß erfüllt. Ein wenig Ehre für die Helden des Eises gab es zwar, aber gemessen an den Schwierigkeiten, die diese Männer gemeistert hatten, waren sie kaum spürbar.

Shackleton selbst blieb ein Abenteurer und brach am 17. September 1921 zu seiner letzten Expedition auf. Auch sie sollte in die Antarktis führen und endete, welch Ironie, am 5. Januar 1922 in Südgeorgien, wo Shackleton einem Herzinfarkt erlag.

Die Route des Sir Ernest Shackleton
Die Route des Sir Ernest Shackleton

Expeditionen mit Wandermut

Ähnlich wie die Antarktis-Expeditionen von Sir Ernest Shackleton sind auch die Wandermut-Expeditionen pures Abenteuer. Wir gehen mit Gleichgesinnten auf Tour: Mit Teilnehmern, die wissen, was sie tun und warum sie es tun wollen.
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