Auf Augenhöhe mit dem Dschungel – Amazonas Expedition im Juli 2019

Auf Augenhöhe mit dem Dschungel – Amazonas Expedition im Juli 2019

Datum: 14. November 2019

2019 starteten wir zum vierten Mal eine Amazonas Expedition im Norden Perus.

2018 hatten wir in diesem Gebiet schon zwei Amazonas Expeditionen durchgeführt, wobei uns das Glück begleitet hatte und wir auf Relikte der ausgestorbenen Chachapoya-Kultur gestoßen waren, die bis dahin unbekannt waren. Diese Entdeckung stieß auf großes mediales und wissenschaftliches Interesse. Ihr könnt dazu einiges im Netz und unserem Blog finden. Der Ruf des Dschungels hielt uns gefangen und mit ihm die Herausforderung, noch weitere Relikte der Chachapoya-Kultur aufzuspüren.

Nebel-Krieger, Wolkenmenschen: die Chachapoyas

Bei den Chachapoyas handelt es sich um ein prähistorisches Volk, das Mitte des 15. Jahrhunderts, vermutlich durch die Inkas, ausgerottet wurde. Die Menschen hatten blondes und rotes Haar und unterschieden sich stark vom Inka-Volk. Es gibt Hinweise darauf, dass es sich um keine zusammenhängende Gesellschaft handelte, sondern um einzelne Siedlungen, die in losem Kontakt miteinander standen.
Das Gebiet, in dem die Chachapoyas lebten, die Nebel-Krieger, wie sie von den Inkas bezeichnet wurden, liegt mitten im dichten Dschungel. Ihre Kultur ist wissenschaftlich wenig erforscht.
Die Gräber, die bis dato gefunden wurden, sind von Grabräubern zerstört und die Knochen der Verstorbenen, die sitzend und zusammengefaltet beerdigt wurden, oftmals zertrümmert.

Wandermut Amazonas Expedition Blog
Mumifizierte Chachapoya

Unser Auftrag bei der diesjährigen Amazonas Expedition

Nach der erfolgreichen Amazonas Expedition in 2018 waren wir noch stärker von der Idee angezündet, eine weitere Expedition 2019 zu starten, um ein Geheimnis zu lüften, das einem polnischen Wissenschaftler das Leben gekostet hat. Sein Tod war mysteriös, und könnte auf Funde der Chachapoyas zurückzuführen sein. Dieses unerforschte Gebiet wollten wir zusammen mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen mit Entdeckungsgeist und mit derselben Versessenheit auf Abenteuer ausgestattet wie wir, erforschen. Gemeinsam mit einheimischen Guides, an der Spitze Don José und Ronald, der seit Jahrzehnten in Peru lebt und eine hohe Expeditionserfahrung hat. Wir haben keine offizielle Graberlaubnis – daher werden potentielle Funde über Ronald der Wissenschaft zugeführt. Und Grabräubern damit die Chance nehmen, Artefakte zu stehlen und für die Nachwelt unsichtbar zu machen.

Was uns anfeuert

Beschreibungen wie Nebel-Krieger, Wolkenmenschen; undurchdringbarer Dschungel; unerforschtes Gebiet; auf wilde Tiere wie Pumas, Giftschlangen oder Feuer-Ameisen zu treffen… Das alles waren – und sind – Begriffe, die unsere Abenteuerlust weckt.
Um uns richtig zu verstehen: wir lieben das Abenteuer bis zur letzten Konsequenz, sind aber nicht lebensmüde. Im Gegenteil. Das Leben dort an den Hörnern zu packen, wo es sich am herausforderndsten und am schwierigsten zeigt: dort wollen wir hin.

Wir suchen das Abenteuer, sind top-fit und voller Power. Wir lieben die Natur, ihre Schönheit, Reinheit und die Ruhe, die sie ausstrahlt- und wir kennen die Wildheit und Kraft der Natur, die einem Menschen schnell das Leben kosten kann, wenn er sie unvorbereitet oder gar überheblich bezwingen will. Die Herausforderungen der Natur, aber auch die eigene Kraft richtig einzuschätzen, ist der Reiz, der uns dort hin gehen läßt, wo niemand hingeht.

Ablauf der Amazonas Expedition 2019

Insgesamt hat das Abenteuer knapp drei Wochen gedauert und nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten bis zum Ende dabei sein. Einige waren verletzt oder überanstrengt. Aber alle haben Eindrücke erhalten, die sie nie vergessen werden und sie noch stärker machten.

Wir wollten dieses Mal eine andere Route gehen. Unser Ziel war das Gebiet, in dem der polnische Wissenschaftler seinen Tod gefunden hatte und in dem wir größere Funde der Chachapoya-Kultur vermuteten. Gemeinsam mit unseren Guides machte sich das Expeditions-Team in Richtung Dschungel auf. Alles, was wir auf der Reise brauchen würden, musste auf unseren Rücken transportiert werden – von der Verpflegung bis zu den Medikamenten. Es war faszinierend anzusehen, wie sich die Landschaft veränderte, je höher wir stiegen. Noch kannten unsere Guides das Gebiet, wir übernachteten im Dorf, aus dem Don José stammt und konnten erste Grabstätten bewundern. Diese waren vollständig von scheinbar professionellen Grabräubern geplündert.

Die Entdeckung

Dann gelangten wir tiefer in den Urwald hinein und stießen an einer Anhöhe auf Überreste eines Chachapoya-Dorfes. Wir konnten nicht identifizieren, ob es Terrassen waren oder Wohnhäuser. Rings um den Hügel erhoben sich mächtige Felswände, und an einigen konnte man Grabstätten und ausdrucksstarke, in rot gehaltene Malereien der Chachapoya erkennen. Nur: die Gräber waren leer. Wie in den Gräbern zuvor, waren professionelle Grabräuber am Werk gewesen.
Mit einer Drohne suchten wir die Felswände ab, und zu aller Überraschung und Freude zeigte eine Aufnahme der Drohne eine Grabstätte, die sich abseits, in einem schwer zugänglichen Felsspalt, befand. Darin befand sich eine unberührte Mumie, inklusive Speer.

Entdeckung einer Mumie
In dieser Felsspalte kann man eine Mumie erkennen (vermutlich die eines Kriegers)

Wir zogen weiter, immer tiefer in den Dschungel hinein, und bald mussten wir die Machete zur Hilfe nehmen, um den Weg freizuschlagen. Gummistiefel schützten uns vor Schlangenbissen und Getier, das sich im schlammigen Boden tummelte. Zu all dem kam, dass ein Übergang überschwemmt war und wir tief durch das Wasser waten mussten.
Es gab die ersten Ausfälle von Expeditionsteilnehmern, die aufgrund von Überanstrengung und kleinerer Verletzungen aufgeben mussten.

Flussdurchquerung während der Amazonas Expedition 2019
Hier durchqueren wir einen Fluss.

Gibt es noch mehr zu entdecken?

Dann ging es richtig ans Eingemachte, denn von nun an befanden wir uns auf unberührtem Boden. Wir kamen unserem Ziel des Gebietes, in dem der polnische Wissenschaftler seinen Tod gefunden hatte, immer näher. Es gab zwei Versionen über seinen Tod: die Eine war, dass sein Seil gerissen und ein Unfall die Todesursache gewesen war. Die Andere (von der die Einheimischen überzeugt waren): er hatte eine große Entdeckung gemacht, die geheim bleiben sollte und das Seil war durch Fremdeinwirkung zerstört worden. Daher war es extrem aufregend für uns, diesem Mythos auf den Grund zu gehen.

Am unwegsamen Gelände fielen zwei weitere Teilnehmer aus und sie mussten uns verletzungsbedingt verlassen. Sie zogen alleine in das nächste Dorf weiter, und wir setzten unseren Weg zum sehnlich erwarteten Zielpunkt fort.

Tatsächlich stießen wir auf Steinfunde, die der Dschungel schon fast verschluckt hatte. Wir zogen schließlich voller Spannung weiter – konnten aber keine weiteren Überreste der Chachapoya-Kultur finden. Die Reise wurde immer anstrengender.

Schließlich mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Natur uns außer ihrer unbeschreibliche Schönheit, nichts schenkt. Auch keine weiteren Funde, die auf die Chachapoyas hinwiesen. Alles schien verschluckt von dem vielfältigen Grün des Dschungels, den Weiten des Tals und dem verwinkelten, uneinsichtigen Felsengebirge.
Die Tiefen des Dschungel

Endspurt

Daher machten wir uns auf den Heimweg, ohne diesesmal das Rätsel des verstorbenen polnischen Wissenschaftlers gelöst zu haben.
Wir wussten, es werden Tagesmärsche sein und alle mobilisierten ihre letzten Kräfte, – was wäre die Alternative gewesen? Alleine im Dschungel zurückzubleiben, um von uns im Jahr darauf abgeholt zu werden? Das will wirklich niemand – also zogen wir im Team gemeinsam weiter, Schritt für Schritt, und das tagelang.
Wieder zurück in der Zivilisation, machten wir Rast in einem kleinen Dorf, wo es einen Ofen gab. Elias, einer unserer Teilnehmer mit italienischen Wurzeln, backte original italienische Pizza. Dies war unser Kulturgut, das wir den Bewohnern vor Ort hinterlassen hatten. Denn das Rezept für Pizza ist nicht das Schlechteste, was man als Gringo hinterlassen kann…
Gestärkt von der Pizza und der Übernachtung, waren es noch 12 Stunden anstrengender Fußmarsch am Stück, bis wir an einer Strasse ankamen. Mit einem Offroad-Fahrzeug ging es Stunden über eine holprige Piste, und am Ende wartete die beste Flasche Cola und eine schöne, kalte Dusche im Hotel auf uns.

Pizza im Dschungel
Unsere Gruppe macht eine Pizza im Dschungel

Fazit dieser abenteuerlichen Amazonas Expedition

Wir konnten diesesmal nicht das Rätsel um den Tod des polnischen Wissenschaftlers lösen, und fanden im Zielgebiet keine Hinweise auf die Chachapoyas. Doch ist das Tal derart weit und die Felsen zerklüftet ohne Ende – daher überlegen wir, eine weitere Expedition zu starten. Ein Helikopter kann hilfreich sein, um das Gebiet genauer nach Felsmalereien, Grabstätten und Ruinen des mysteriösen Volkes der Nebelkrieger abzusuchen.
Und natürlich muss die von uns gesichtete Mumie mit Speer geborgen und der Wissenschaft zugeführt werden, bevor sie von Grabräubern zerstört wird.

Es war das ultimative Abenteuer – für das gesamte Team der Amazonas Expedition. Wir waren ein mega-Team mit einem Teamgeist, der bis zuletzt ungebrochen war und sich mit jeder Herausforderung verstärkt hatte. Das Spannendste aber war zu erkennen, wie Menschen in Extremsituationen über sich selbst hinauswachsen.

Das Team der Amazonas Expedition im Juli 2019
Das Team der Amazonas Expedition im Juli 2019

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