Erfahrungsbericht: Amazonas-Expedition 2019

Erfahrungsbericht: Amazonas-Expedition 2019

Datum: 14. November 2019

Dichter Dschungel – steile Schluchten – unerforschte Überreste einer vergangenen Kultur: Wer an das südamerikanische Land Peru denkt, verbindet mit alten Zivilisationen vor allem die Hochkultur der Inka. Doch es gab ein weiteres vorkolumbianisches Volk, das noch viele Geheimnisse birgt.

Im Juli 2019 unternahmen wir daher eine weitere Expedition nach Peru. Unsere Mission lautete: Spuren des Chachapoya-Volkes zu entdecken. Auf Quechua, der indigenen Sprachfamilie in der südamerikanischen Andenregion, bedeutet „Chachapoya“ so viel wie „Wolkenmenschen“ oder „Nebelkrieger“. Es waren die Inka, die dem geheimnisvollen Volk seinen Namen gaben. Es handelt sich um ein Volk, das vor rund 500 Jahren im Norden Perus zuhause war. Unsere Leidenschaft für Abenteuer und Entdeckungen führte uns also ein weiteres Mal in den Amazonas. Ein weiteres Mal wollten wir im Dschungel nach versunkenen Städten und Überbleibseln der Chachapoya-Kultur forschen.

Waren die Chachapoya Kelten?

Im 15. Jahrhundert beschrieb der spanische Conquistador und Chronist Pedro de Cieza de León die Chachapoya als die „weißesten und schönsten Indianer Perus“. Der Kulturwissenschaftler Hans Giffhorn vertritt deshalb die – durchaus umstrittene – These, dass Kelten und Karthager um 200 vor Christus über den Atlantik vor den Römern flohen und sich in der Region des Amazonas eine neue Heimat schufen. Weniger unklar wie ihre Herkunft ist der Niedergang der Chachapoya-Kultur: Um etwa 1475 wurden die Chachapoya von den Inka blutig unterworfen und wären durch die von spanischen Eroberern eingeschleppten Krankheiten fast gänzlich ausgestorben. Doch es gibt noch heute die in Peru „Gringuitos“ genannten Blondschöpfe als Nachfahren der Chachapoya. Ihre Städte mit ihren meist rundlichen Steinbauten gerieten indes schon bald in Vergessenheit – der Regenwald eroberte sie sich zurück, als hätte es sie nie gegeben.

Unser Abenteuer: Spurensuche im Regenwald

Wir aber haben der Wildnis getrotzt und haben unsere vierte Expedition in den Amazonas-Regenwald gemeistert. 2018 waren wir das letzte Mal in Peru. Komplett selbstversorgt, alles verstaut in großen schweren Rucksäcken erforschten wir ein Gebiet, in dem es früher bereits Chachapoya-Funde gegeben hatte. Auch wir sind bereits im Vorjahr auf Ruinen der markanten runden Häuser der Chachapoya gestoßen. Auf unserer diesjährigen Expedition erhofften wir uns, weitere solcher Entdeckungen zu machen.
Und auch sie war ein Abenteuer, bei dem wir uns fernab von Straßen und Wegen und mithilfe von Macheten durch das Dickicht des Regenwaldes schlagen mussten – oft schafften wir nur wenige Kilometer pro Tag. Diese Gegend war weitgehend unerforscht. Bald schon stießen wir auf eine Chachapoya-Grabstätte. Doch professionelle Grabräuber waren bereits vor uns da. „Das Schlimme und Traurige ist, dass alles geplündert ist, und zwar ausnahmslos“, fasst Martin diese zutiefst traurige Erkenntnis in Worte.
Natürlich haben wir weder die Intention noch die Erlaubnis, eigene archäologische Grabungen zu machen. Unsere Funde wollten wir allerdings vor Plünderern in Sicherheit bringen. Roland, ein expeditionserprobter Chachapoya-Experte, der schon seit Jahrzehnten in Peru lebt, war unser Partner vor Ort. Er setzt sich dafür ein, dass alle Funde der peruanischen Regierung gemeldet werden, damit Mumien und andere Funde in Museen und nicht in die Hände von Grabräubern gelangen.

Und doch noch eine Entdeckung!

Zum Glück sind wir dank unserer Drohne dann doch noch fündig geworden: Neben all den geplünderten Grabkammern fanden wir in einer kleinen Höhle eine fast unversehrte Mumie. Aus ihrer abgeschiedenen Grabstätte ziemlich weit oben in den Felsen lässt sich schließen, dass es sich um einen Chachapoya mit hohem sozialem Status gehandelt haben muss. Deshalb sind hier wahrscheinlich noch wertvolle Grabbeilagen zu finden, die vor den Grabräubern geschützt werden müssen – ein Fall für die Experten also.
Nach dieser Entdeckung führte unsere Route uns in das abgelegene und hoch auf einem Berg befindliche Dorf unserer Guides. Bis wir dort waren, galt es jedoch, mit unseren Macheten weiterhin ständig Schneisen durch den bislang unerforschten Blätterwald zu schlagen, einen Fluss zu durchqueren und einen sehr harten Aufstieg zu meistern. In diese Gegend ist schon einmal ein polnischer Wissenschaftler vorgedrungen, der sie allerdings tot wieder verlassen hat. Die extreme Herausforderung dieses Expeditions-Parts zu meistern gelang nicht allen unseren Teilnehmern, sodass zwei von ihnen das Abenteuer verletzungsbedingt vorzeitig abbrechen mussten. Endlich in besagtem Dorf angekommen, fanden wir für die Nacht in einer kaputten Schule Obdach.
Auf dem weiteren Weg durch das unwirtliche Terrain sind wir für unsere Anstrengungen mit einem weiteren Fund belohnt worden: überwucherte Mauerreste einer Chachapoya-Siedlung. Mit der Hoffnung, noch Größeres zu finden, haben wir das gigantische Tal mit unserer Drohne sorgfältig abgesucht. Weitere Funde haben wir in diesem Gebiet jedoch nicht machen können.

Eine Mumie der Chachapoya in einer Felsspalte wurde entdeckt
Eine Mumie (vermutlich eines Kriegers)

Pizza im Dschungel

Die letzte größere Herausforderung dieser Expedition war der mehrtägige Rückmarsch in die Zivilisation, zurück in die Stadt „Chachapoyas“. Wieder hieß es: wandern von morgens bis abends – abermals ging es durch den Fluss, über Berge und wir machten Stopps in zwei weiteren abgelegenen Dörfern. In einem davon gab es einen kleinen Ofen zum Brotbacken. Dies brachte den Italiener in unserer Gruppe auf die geniale Idee, Pizza für uns und die Dorfbewohner zu backen. Nach einem letzten Zwölf-Stunden-Marsch sind wir dann endlich wieder in unserem Hotel in der Stadt Chachapoyas angekommen.
Wir haben auf dieser Amazonas-Expedition einiges auf uns aufgenommen. Zwar haben wir weniger Chachapoya-Funde gemacht als erhofft, aber allein dieses Abenteuer bestanden zu haben, hat uns erneut glücklich zurückkehren lassen.

Pizza im Dschungel
Unsere Gruppe macht eine Pizza im Dschungel

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