Alexander von Humboldt und seine Expeditionen

Datum: 22. Mai 2020

Alexander von Humboldt und seine Expeditionen

Die Lust auf Abenteuer und das Entdecken des Unbekannten ist kein neues Interesse. Bekanntermaßen erkundete die Menschheit die ganze Welt auf eigene Faust. Nach dem aktuellen Stand der Forschung ging dieses Bestreben an seinem Anfang von Afrika aus. Je besser der Mensch die Natur verstand, umso leichter konnte er sie bezwingen und schließlich ließ er sich in fast allen Regionen der Erde nieder. Doch das genügte nicht, zu viele Rätsel waren aus europäischer Perspektive noch ungelöst. So kam es, dass sich im Zeitalter der Aufklärung einige motivierte Entdecker auf den Weg machten, um diese Rätsel zu lösen. Einer von ihnen ist eine ganz besondere Persönlichkeit: der deutsche Forscher Alexander von Humboldt.

Humboldt: Wer war dieser Mensch?

Alexander von Humboldt, einer der Söhne des preußischen Majors a. D. und Kammerherrn Alexander Georg von Humboldt und Marie-Elisabeth von Hollwede, lebte von 1769 bis 1859. Er wurde in Berlin geboren, wo er auch starb. Heute gilt er zugleich als Naturforscher, Forschungsreisender, Universalgenie, Kosmopolit, Gelehrter und wichtiger Förderer anderer Wissenschaftler wie Justus von Liebig. Ohne seine Erkenntnisse und Beobachtungen wäre unsere Welt heute vermutlich eine andere.

Dabei profitierte er stark vom Wohlstand und dem Bildungsbürgertum, das seine Eltern ihm boten, zum Beispiel durch einen ihn unterrichtenden und entsprechend gebildeten Hauslehrer und viele einflussreiche Freunde, die ihn unterstützten. Schon in jungen Jahren beschäftigte er sich gern mit Themen wie der Botanik oder der Literatur über damalige Forschungs- und Entdeckungsreisen. Den besonderen Vorteil seiner gehobenen Herkunft nutzte er später aber nicht nur für die Erkundung der Welt, sondern auch für soziale Aspekte wie die Abschaffung der Sklaverei in Mittelamerika.

Humboldt legte durch sein Lebenswerk den Grundstein für viele bedeutsame Naturwissenschaften, etwa für die heute so wichtige Klimatologie. Seine Werke haben einen starken Bezug zur Umwelt und sogar zum Kosmos. Das bedeutendste von ihnen namens „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ widmet sich der Beschreibung der physischen Welt. Diese konnte er nur anfertigen, weil er auf Reisen ging und sich vor Ort die Welt mit eigenen Augen angesehen hat. Damit lebte er den Geist der Aufklärung und bewegte sich auf einer Ebene mit ähnlichen Größen seiner Zeit wie Johann Wolfgang von Goethe, Carl Friedrich Gauß und Charles Darwin. Goethe und von Humboldt waren sogar miteinander befreundet.

Die Expeditionen des Alexander von Humboldt

Humboldt studierte und wurde Beamter im staatlichen Bergbau. Auf seinen ersten Forschungsreisen zog es ihn noch nicht in exotische Gefilde, denn zunächst bewegte er sich noch in Deutschland und anschließend in anderen westeuropäischen Ländern. Als 1796 seine Eltern verstorben waren, erhielt er ein großzügiges Erbe, das ihm finanziell neue Möglichkeiten eröffnete.

Er ließ seinen bisherigen Beruf hinter sich und begann damit, sich verstärkt der Forschung zu widmen. Das kam nicht von ungefähr, denn er war ein großer Liebhaber der Natur. Zunächst konnte er sich – wie es viele heutige Abenteurer ebenfalls kennen – nicht entscheiden, wohin es gehen soll. Manches Interesse zerschlug sich aufgrund der unsicheren politischen Situation, etwa eine Reise nach Nordafrika.

Expeditionen in Lateinamerika

Zwei große Forschungsreisen brachten ihn schließlich nach Mittel- und Südamerika und nach Russland. Die Reise nach Lateinamerika (1799 bis 1804) gilt heute als seine bedeutendste. Sie fand unter dem Segen Spaniens statt, dass die Region damals als Kolonie nutzte und von seinem Bergbauwissen profitieren wollte. Dabei besuchte er zunächst Kuba und bestieg anschließend den 6.310 Meter hohen Vulkan Chimborazo in Ecuador, wobei er es aufgrund einer breiten Felsspalte nicht bis auf den Gipfel schaffen sollte.

Bei der Besteigung ging es ihm aber nicht etwa darum, den damals noch als höchster Berg der Welt geltenden Vulkan zu besteigen. Sondern er wollte dem Vulkanismus auf die Spur kommen und das heiße Innere der Erdkugel belegen. Über Mexiko und Kuba zog er dann wieder in Richtung Norden in die USA. Nach einem Besuch beim damaligen US-Präsidenten Thomas Jefferson kehrte er über den Seeweg nach Europa zurück, wo ihm viele Ehrungen zuteil wurden und er eine Lehrtätigkeit aufnahm.

Expedition nach Asien

Russland sollte Humboldt im Jahr 1829 über einige Monate zwischen Frühling und Winter nach einer Einladung durch den russischen Zaren fesseln, doch es war seine letzte große Forschungsreise. Wie auf dem ecuadorianischen Vulkan erreichte er auch hier sein primäres Ziel nicht, durch Asien auf dem Landweg bis nach Tibet zu gelangen. Dennoch gelangen ihm auch hier einige erstaunliche Forschungen speziell zum Magnetismus der Erde. Nach seiner Rückkehr arbeitete er im preußischen Deutschland weiter und war als Wissenschaftler und Diplomat tätig.

Umweltschutz und Co: Was Humboldt uns hinterlassen hat

Humboldts Einfluss auf die anthropogene Sicht der Welt ist heute noch in vielen Bereichen sichtbar. Nicht nur, weil die Humboldt-Universität in Berlin nach ihm und seinem Bruder Wilhelm benannt wurde, sondern auch, weil er vielen Dingen ihren Namen gab. Eine der 19 Tierarten, die nach ihm benannt worden sind, ist der in Peru heimische Humboldt-Pinguin. Humboldt war der erste europäische Forscher, der diese erstaunlichen Tiere gesehen hatte. Daneben benannte er einige Pflanzen und Pilze, Gletscher, Berge, Flüsse und mehr.

Neben seiner unbändigen Liebe zur Natur, die uns alle auch in den entlegendsten Flecken der Erde dazu inspirieren sollte, sie zu achten und zu schützen, können wir uns auch in sozialen Fragen nach ihm richten. In Lateinamerika ist er heute zum Beispiel noch immer sehr geschätzt, weil er auf seiner Reise das Leben vieler Menschen durch konsequentes Handeln verbesserte. Außerdem sind ihm unterwegs auch negative Einflüsse des Menschen auf die Umwelt aufgefallen, was in unserer heutigen Zeit mit dem hohen Risiko des Klimawandels zu einem wichtigen Vordenker macht.

 

 

Quellen:

https://www.humboldt-foundation.de/web/humboldt.html

https://www.goethe.de/prj/hya/de/inh/ten.html

Staatsbibliothek zu Berlin